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Fantasie-Geschichten – Entsprungen aus der Fantasie heraus ♥
Black Beauty! ─ Teil II
Die Verhandlungen führen zu nichts und der andere Circusdirektor verabschiedet sich. Einer der Liliputaner wirft ihm mit einem Gegenstand den Zylinder vom Kopf – seine zwei treuen Diener lachen ebenso, wie das Team vom anderen Circus. „Klappe halten!“ kommandiert er scharf an seine treuen Diener, welche sofort verstummen – die Kutsche wendet und fährt zurück in das Quartier des anderen Circus. An diesem Nachmittag will die Tochter mit Black Beauty ausreiten und striegelt ihn zuvor. „Warum hat der Pferdehändler uns diesen Hengst nur so billig überlassen?“ fragt sie verwundert ihren Vater. „Irgend einen Makel wird er schon haben!“ versichert dieser ihr. Und als sie ihn an der Stirn striegelt, geht die Schuhcreme ab! „Schau‘ mal Vater – was ist das denn?“ wendet sie sich fragend an ihren Vater. Dieser lächelt nur, küsst seine Tochter auf die Wange und meint: „Das wird der Grund sein, warum er so billig war.
Wie sie dann in ihrem Reitdress zu Black Beauty kommt und mit einer Hilfe in den Damensattel steigt, reitet sie durch das Umland. Sie fühlt sich sicher mit Black Beauty, denn er ist ja ein starker Hengst. Womit sie allerdings nicht rechnet ist, dass sie über ein Seil, welches über einen Ast gespannt wurde, von den zwei treuen Dienern des anderen Circusdirektors aus dem Sattel gehoben wird. Sie hängt in der Luft und faucht die beiden ziemlich an: „Was fällt euch ein – wie könnt ihr es wagen?“. „Auftrag ist Auftrag – das ist ein Befehl von unserm Circusdirektor!“ und lassen sie mit diesen Worten auf die Erde fallen. Sogleich wird sie von den beiden fest gehalten und bekommt einen Sack über den Kopf.
Sie wird in eine offene Kutsche hinein bugsiert – einer der treuen Diener fängt noch Black Beauty ein, leint ihn an der Kutsche und es geht zurück Sogleich wird sie dem anderen Circusdirektor vorgeführt. „Ich habe Ihnen ja gesagt, wir sehen uns bald – und Voilá – da sind Sie ja nun auch schon!“. „Was wollen Sie von mir?“ faucht sie ihn an. „Das Gleiche wie zuvor – nur dass ich es dieses Mal einfacher habe!“ bei diesen Worten zieht er einen Brief aus seiner Innentasche hervor und einer seiner treuen Diener reicht ihm Feder und Tintenfaß. „Wie Sie sehen, habe ich schon alles vorbereitet – Sie müssen nur noch unterzeichnen!“. „Nie und nimmer werde ich das unterzeichnen!“ zischt sie zu ihm hin. „Nun denn – keine Sorge – ich kann das auch für Sie machen!“ und flugs unterschreibt er den Brief angeblich in Abwesenheit von ihr.
Der Brief wird umgehend an den anderen Circusdirektor zugestellt – die Liliputaner sind alle total aufgeregt, weil sie sich denken können, dass der Brief gefälscht ist und nie und nimmer diesen seine Tochter verfasst hat. Der Circusdirektor liest den Brief vor – seine Tochter behauptet, sie sei bei Freunden – alle lachen – doch der Circusdirektor liest weiter „…und habe den Circus verkauft an anderen Circusdirektor – gezeichnet in Abwesenheit – seine Tochter!“. „Nein – das ist ganz und gar unmöglich – niemals würde sie den Circus ihres Vaters an den anderen verkaufen!“ ruft der Circusdirektor aufgebracht aus! „Das ist eine Kampfansage – los alle Mann los – bewaffnet euch mit allem, was ihr finden könnt und dann los!“ feuert er seine Leute an.
In der Zwischenzeit ist seine Tochter geknebelt und gefesselt um Pferdestall untergebracht. Black Beauty versucht sie zu befreien, indem er die Trennwand mit den Hufen zertrümmert. Danach beisst er ihre Handfesseln durch und sie kann sich den Knebel selbst abnehmen. In diesem Moment kommt der andere Circusdirektor ziemlich angetrunken in den Stall und sieht, dass die Frau ohne Fesseln ist. Wütend auf den Hengst wirft er ein Glas nach ihm, das er mit gebracht hatte – und er greift eine Peitsche und lässt diese auf Black Beauty mehrmals nieder sausen. Blind vor Wut steigt Black Beauty und trifft mit seinen Hufen den Kopf des Direktors. Dieser fällt nach hinten und bleibt auf einem Strohballen getötet liegen.
Die Tochter nimmt die Gelegenheit wahr und flüchtet mit Black Beauty – sie will zum Polizeihauptwachmeister – und sie weiss, dass dieser bei einem kleinen Fest des Gouverneurs dieses Bezirkes ist. Sie reitet – ohne Sattel direkt dorthin. Wie sie ankommt ruft sie gleich: „Polizeihauptwachmeister – Polizeihauptwachmeister! Bitte kommen Sie schnell!“ und eilt bei diesen Worten die Treppe hoch. Doch der Polizeihauptwachmeister ist sturzbetrunken – kann kaum noch gehen. Sie schleift ihn trotzdem zu Black Beauty – es gelingt ihm sogar aufzusitzen, aber er plumpst auf der anderen Seite wieder hinunter.
Der Gouverneur organisiert eine kleine Schar von Soldaten und zusammen reiten sie zu dem Schlachtfeld der beiden Kontrahenten – es geht wüst zu – alles ist erlaubt – es gibt keine Regeln. Aber nachdem der Gouverneur mit seinen Soldaten da ist, nehmen die Gegner schnell Reißaus und flüchten eiligst. Die Soldaten folgen ihnen zu Pferd, dass sie ja auch nicht wieder kommen! Der Circusdirektor dankt dem Gouverneur für sein promptes Erscheinen mit den Soldaten und gibt ihm ein Glas Sekt, welches er jedoch direkt weiter gibt. „Nehmt zum Dank diesen Hengst!“ fordert der Circusdirektor den Gouverneur (der sechste Besizter!) auf. „Aber Vater…!“ weiter kommt seine Tochter nicht, denn der Vater unterbricht sie. „Dieser Hengst ist ein Killer und ich dulde keine Killer in meinem Circus!“.
Der Circusdirektor ruft alle auf: „Los auf die Wagen – es geht weiter!“. Alle springen auf, die Tochter verabschiedet sich mit einem zärtlichen Streicheln über seine Nüstern von ihm. Der Gouverneur steht ein bisschen da, wie bestellt und nicht abgeholt… Wie er wieder zu Hause ist, besucht er seine Tochter Anne im Park seines Anwesens (die siebente Besitzerin!!) und macht ihr ein Geschenk – nämlich den Hengst Black Beauty. „Oh – wie schön er ist!“ ruft sie entzückt aus! „Danke Papa“ und gibt ihm einen Kuss auf die Wange. Diesem ist es jedoch eher unangenehm, denn es sind ja auch Diener dabei. „Schon gut – Hauptsache – er gefällt Dir!“. „Und ob er mir gefällt!“ schwärmt Anne!
Anne hat eine Liaison mit einem französischem Offizier – von dem ihr Vater allerdings nichts weiss. Sie treffen sich hin und wieder an einem Tempel – diesen Abend reitet sie mit Black Beauty dahin. „Schau doch nur, was für ein wunderschönes Pferd ich habe!“ sagt sie zu ihm, doch er hat nur Augen für sie, denn er ist aufgeregt – am nächsten Tag will er beim Vater vorsprechen und ihn um die Hand seiner Tochter Anne bitten. „Mein Vater wird schon nicht so streng sein“ versucht Anne ihn zu beruhigen. Doch am nächsten Tag erlebt der französische Offizier ein Fiasko, als er um die Hand von Anne anhält. Der Vater wird beleidigend und denkt nicht im Traum daran, ihm seine Tochter zur Frau zu geben!
Am nächsten frühen Abend treffen sie sich wieder und der französische Offizier will Anne bitten, mit ihm zu fliehen. „Aber das kann ich nicht – mein Vater braucht mich!“ widerspricht sie ihm. „Ich brauche Dich auch!“gibt er knapp zurück. „Nein – ich kann nicht“ und sie reitet auf Black Beauty davon. Der Vater gibt an diesem Abend eine Dinnerparty – und er prahlt damit, wie er den französischen Offizier abgefertigt hat. Wutentbrannt steht Anne auf – wirft sich einen Umhang über und reitet mit Black Beauty die ganze Nacht hindurch, bis sie die Grenze erreicht, wo der französische Offizier mit ihr hin fliehen wollte.
Er nimmt sie in die Arme und sie küssen sich. „Willst Du nun doch noch mit kommen?“ freut er sich schon. „Nein – ich will Dir nur Black Beauty geben – Du wirst ihn mir gesund zurück bringen – und somit weiss ich, dass Du auch gesund bist!“. Sie verabschiedet sich mit einem Kuss. Sie kauft sich ein anderes Pferd und reitet zurück zum Anwesen ihres Vaters.
Der französische Offizier und seine Soldaten geraten in einen Hinterhalt – in einer Steinwüste werden sie von Barbaren angegriffen – diese schiessen nicht nur mit Gewehren, sondern auch mit einer Kanone. Viele von den Soldaten werden getroffen – der Rest sammelt sich und reitet schnell zurück in eine versteckte Nische, um sich zu beraten. Dann greifen sie wieder an – der französische Offizier macht schnell aus, wer der Anführer ist und er lenkt Black Beauty hoch auf den Berg, wo die Kanone steht. Die beiden Gehilfen des Anführers feuern auf den französischen Offizier – er ist getroffen, aber von dem Wunsch beseelt, den Anführer zur Strecke zu bringen. Auch der schiesst auf ihn – doch mit seinem letzten Atemzug wirft er seinen Speer und trifft den Anführer, der augenblicklich tot zusammen sackt. Auch der französische Offizier sinkt tödlich getroffen zu Boden.
Sein bester Freund nimmt sich Black Beauty an (der achte Besitzer!) – sie finden Unterschlupf auf einem Bauernhof, die auch Zimmer vermieten und Speis‘ und Trank‘ anbieten. Der beste Freund vom französischen Offizier – ebenfalls ein Offizier, hat eines der besten Zimmer und eine Frau, die schlafend auf einer Chaiselongue liegt – er hat nichts mehr zu trinken und bittet seinen Oberst, ihm etwas zu trinken zu bringen. Der stürzt auf und bittet den Bauer, um mehr Wein für seinen Herrn. Dieser jedoch will nichts mehr ausgeben und sagt: „Nur gegen Kasse!“ – dieses widerum berichtet er seinem Offizier. „Dann verkauft mein Pferd!“ schnaubt der Offizier wütend.
Der Oberst geht zum Bauer (der neunte Besitzer!) und sagt ihm dies. Dieser geht zu Black Beauty, schaut ihm ins Maul (man kann an den Zähnen etwa das Alter eines Pferdes bestimmen) und sagt seinen Preis. Dieser ist dem Oberst jedoch zu wenig und protestiert: „Also hören sie mal, dieses Pferd ist ein Kämpfer!“ und der Bauer lässt sich erweichen und gibt einen Taler mehr. Mit dem Geld geht der Oberst zu seinem Offizier und lässt das Geld verächtlich auf den Tisch fallen.
Black Beauty hat es nun absolut nicht leicht – er muss schwere Holzstämme ziehen und wenn er nicht weiter geht, wird er geschlagen von dem Sohn des Bauers. Ein ziemlich trostloses Leben und Black Beauty will nicht mehr – er beschließt zu sterben. So kommt es, dass eines Morgens, als der Sohn des Bauers ihn zur Arbeit abholen will, ihn liegend im Stroh vor findet. Man machte sich nicht mal die Mühe das Zaumzeug abzunehmen zur Nacht und der Junge zieht an den Zügeln. Doch Black Beauty steht nicht auf! Mit Hilfe einer Magd kann er Black Beauty jedoch wieder zu Lebensgeister bewegen. Doch der Bauer hat schon entschieden – das Pferd kommt weg!
Nun geht es Black Beauty noch schlechter, denn (der zehnte Besitzer!) ist das Kohlebergwerk – hier muss Black Beauty nun stehen und den Staub einatmen, bis sein Wagen voll geladen ist und er von seinem Führer durch die Strassen und Steigungen nahezu hoch geprügelt wird. Und ob der Wagen voller Kohle nicht schon schwer genug wäre, springen auch immer noch Kinder auf den Wagen, um sich ziehen zu lassen. Als der Führer einmal anhält, sieht Black Beauty einen Kohlewagen mit einem toten Pferd darauf – als würde er verstehen, wendet er den Kopf ab…
John – mittlerweile ein stattlicher junger Mann sieht Black Beauty um die Ecke kommen – auch die Frau, für die er die Kutsche lenkte, um zur Kirche zu gehen, sieht, wie grob der Führer mit dem Pferd umgeht. John baut sich vor dem Führer auf und sagt mit fester Stimme: „Ich kaufe ihn – was wollen sie für ihn haben?“. Der Mann ist völlig verdutzt und weiss erst gar nicht, was er darauf sagen soll, da kramt die Frau in ihrem Portemonnaie und gibt ihm einige Münzen – darauf hin machen sie Black Beauty von der Kutsche los und bringen ihn nach der Kirche nach Hause.
„Komm‘ schon alter Junge – es ist Zeit nach Hause zu gehen!“ mit diesen Worten streift er ihm das Halfter vom Kopf und lässt ihn auf einer saftig grünen Weide grasen: Die Frau erzählt natürlich später ihrem Mann davon „Und weisst Du, wie er ihn nennt? – Black Beauty!“ sagt die Frau zu ihrem Mann – und alle drei schauen ergriffen zur Koppel, auf der Black Beauty sein Glück kaum fassen kann und wie ein junges Fohlen Bocksprünge macht, aus lauter Freude. Zum Einen hat er natürlich John wiedererkannt – und zum anderen, dass er es nun so schön hat! Was hatte er doch nur für ein hartes Leben!
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